Interview mit Haeme Ulrich

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Interview mit Haeme Ulrich

Vom 27. bis 29. Juni 2014 findet das Publishing BootCamp in Grainau am Fuße der Zugspitze statt, bei dem wir als Organisator dabei sein werden. Vorab haben wir die Trainer des Publishing BootCamps zum Interview gebeten.

haeme-tnPubCamp: Woran arbeitest du gerade?

Haeme: Ich begleite eine Privatbank bei ihrer Digital-Publishing-Strategie. Dazwischen gebe ich immer wieder Kurse zu Print- und Digital-Publishing. Dazu kommen immer mehr Vorträge zum Thema »Wissensarbeiter«. Also Anleitungen, wie man aus seinem Team Wissensarbeiter macht.

PubCamp: Hast du ein Motto, einen Lieblingsspruch?

Haeme: »Wer fragt, scheint dumm. Wer nicht fragt, bleibt dumm.«

PubCamp: Wie lautet offiziell dein Abschluss / dein erlernter Beruf?

Haeme: Hui, da gibt es viele. Nach der Lehre als Schriftsetzer habe ich eine IT-Weiterbildung gemacht. Dann vier Jahre Ökonomie im Fernstudium. Und dazwischen noch ein Praktikum als Lokaljournalist und eine Ausbildung als Ausbilder.

PubCamp: Mac oder Windows und warum?

Haeme: Mac, weil lieber nicht Microsoft. Meine Abneigung gegen Microsoft-Programme/Betriebssysteme ist größer als meine Liebe zum Mac. Mobil habe ich keine Präferenzen. Ich hatte sehr früh und dann während Jahren Android, jetzt bin ich wieder mit iOS unterwegs. Mein Motto: So viel wie möglich in die Cloud, um von Hardware/Betriebssystem unabhängig zu sein.

PubCamp: Wo findet man dich in den »sozialen Medien« und warum genau dort?

Haeme: Höchste Priorität hat unser Firmenblog. Dort schreibe ich schier täglich, das macht mir Spaß. Bei den Netzwerken findest du mich bei Twitter, Google+, LinkedIn und Xing. Facebook habe ich deaktiviert. Twitter gefällt mir als einzige dieser Mode-Plattformen richtig gut. Twitter ist sehr effizient, weil die Posts sehr kurz sind und viele IT-Leute sich dort austauschen.

PubCamp: Was war dein genialstes Projekt bisher?

Haeme: Die Gründung von ulrich-media GmbH.

PubCamp: Wie sieht dein Schreibtisch aus?

Haeme: Ich habe keinen echten Schreibtisch mehr, weil ich dauernd unterwegs bin. An verschiedenen Orten habe ich bloß noch Laptop-Ladegeräte liegen. Somit bleibt mir nur noch der virtuelle Schreibtisch. Der ist immer leer. Dies, weil ich ein Perfektionist bin und weil mein Schreibtisch halt häufig auch öffentlich zu sehen ist.

PubCamp: Wie lange wird noch Papier bedruckt werden?

Haeme: Ich selber lese ausschließlich digital. Das ist kein Prinzip, das dient mir einfach sehr. Ich bin extrem viel unterwegs und übernachte in Hotels. So ist das Tablet meine Bibliothek. Dann bin ich ein Blog-Freak. Ich habe unzählige Blogs abonniert. Zudem habe ich (wirklich wahr!) noch nie was anderes als Fachliteratur gelesen. Und die gibt es heute digital. Lesen tue ich sehr viel: Mehrere Stunden am Tag.

PubCamp: Was würdest du jemandem raten oder mitgeben, der in dein Fachgebiet neu einsteigt?

Haeme: Werde Wissensarbeiter, das reicht!

PubCamp: Deine liebsten Momente bei Vorträgen/Schulungen? Und die unangenehmsten?

Haeme: Ich liebe es, wenn es mir gelingt, die Leute heiß auf Vereinfachungen, Verbesserungen und Neuerungen zu machen. Dabei ist es mir wichtig, komplexe Zusammenhänge einfach, jedoch nicht banal, zu präsentieren.

Als unangenehm erachte ich »Zwangsschulungen«. Wenn du Leute schulen musst, die eigentlich gar nicht wollen. Wo du am Morgen schon spürst, dass die am Abend nicht weiter sind.

Gerne halte ich Strategie-Vorträge vor Entscheidern. Das gibt lustige Situationen: Die kommen in Nadelstreifenanzug und ich mit meinen roten Turnschuhen und im T-Shirt. Die setzen auf Manipulation, ich auf Inspiration. Am Ende des Zusammenseins sind sie meist sehr dankbar und haben eine neue Sichtweise aufs Geschäften kennengelernt.

PubCamp: Was ist dein Kreativitäts- oder Motivations-Joker, wenn mal gar nichts vorangeht?

Haeme: Ab in den Wald. Ich wandere sehr viel und höre dazu Audiobücher. Für kurze Aussetzer liebe ich einen guten, starken Espresso.

PubCamp: Was unternimmst du, wenn du mal rein überhaupt nichts mit deiner Arbeit zu tun haben willst?

Haeme: Das kommt zum Glück nie vor. Aber ich habe eine aktive Erholung: unsere Band. Da spiele ich Akkordeon, das tut mir sehr gut. Dann genieße ich natürlich die Familienzeit mit meiner lieben Frau und meinen beiden aufgestellten Töchtern.

PubCamp: Welchen Berufswunsch hattest du als Kind?

Haeme: Ich wollte immer was mit Medien. Zuerst zum Radio. Ich muss aber sagen, dass ich heute meinen Traumjob ausübe. Wäre ja doof, wenn ich als Unternehmer nicht das machen würde, wo ich begabt bin! :-)

PubCamp: Wer war Held/Vorbild deiner Kindheit?

Haeme: Der Paulus in der Bibel. Seine Geradlinigkeit hat mich immer beeindruckt. Heute finde ich Ökonomie-Ideen in der Bibel. Sonst finde ich Leute, die Ökonomie nicht akademisch angehen, besonders inspirierend.

PubCamp: Was sammelst du?

Haeme: Hi, hi: Quietschentchen, die gelben kleinen Schätze :-)

PubCamp: Wie müsste sich dein Arbeitsfeld entwickeln, damit dir die Arbeit auch in fünfzehn Jahren noch Spaß macht?

Haeme: Unser Firmenmotto bleibt bestehen, so lange die Welt »normal« weiter dreht: Wir machen Wissensarbeiter. Somit ist unsere Abhängigkeit sehr gering.

PubCamp: Dein(e) Tipp(s) zum Datenschutz?

Haeme: Datenschutz und weltweite Vernetzung sind sehr schwer unter einen Hut zu bringen. Die Demokratie des Internets ist längst vorbei. Aber halt: Wer einen eigenen Facebook-Account hat, sollte nicht über Datenschutz diskutieren.
Ansonsten traue ich Google am meisten. Die dokumentieren in meinen Augen am besten, was sie mit den Daten machen. Und die stehen auch zu ihrem Businessmodell: Daten sammeln und daraus Profit generieren.

PubCamp: Vielen Dank für das Gespräch.